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Kanzlei-Video

Dass Videos genau die richtige Kommunikationsbegleitung für Ihre Kanzlei sind, wissen Sie längst. Nun geht es darum, Ihr geballtes Experten*innen*wissen für aufmerksamkeitsstarke Videos zuzuschneiden. Das Wichtigste dabei: auf den Punkt kommen! Darin habe ich als Moderatorin Übung – oftmals habe ich nur 30 Sekunden, um das Publikum zu gewinnen. Deswegen gebe ich Ihnen in diesem Beitrag konkrete Tipps, wie Sie in aller Kürze inhaltlich überzeugen:

1. Sprechen Sie in Bildern

Erzeugen Sie Bilder im Kopf! „Kopfkino“ hilft den Zuschauer*innen, sich in Ihren Themenschwerpunkt einzufinden. („Haus so hoch wie …“, „Stimmung wie beim WM-Endspiel“, …). Beschreiben Sie vollmundig, aromatisch, detailliert und spielen Sie dazu mit Ihrem Instrument, der Stimme. Dafür darf man als Experte bzw. Expertin auch hier und da gezielt Adjektive verwenden.

Für juristische oder steuerberatende Themen mag das jetzt sehr bunt klingen. Aber mitnichten! Der bildhafte Vergleich – die Analogie – ist eine sehr schöne Form, um gerade komplizierte Zusammenhänge verständlich darzustellen.

„Jeden Tag sterben in Deutschland mehr als 300 Menschen an den Folgen des Rauchens. 300 Menschen! Das ist jeden Tag ein vollbesetztes Flugzeug. Wäre Fliegen so gefährlich, wir hätten es längst abgeschafft (…).“

2. Ein guter Text ist möglichst einfach

Vorsicht bei Fremdwörtern, Fachbegriffen und Anglizismen. Überlegen Sie sich, was die Zuschauer*innen/Ihre Zielgruppe kennen sollte und was vielleicht doch noch einmal erläutert werden muss. Benutzen Sie lieber gebräuchliche Wörter, die jeder auf Anhieb versteht. Und wagen Sie sich mutig raus aus der wunderbaren Welt der „Schriftsätze“ mit ihren langen, komplexen Satzgebilden.

3. Nicht zu viel Information in den Text

Nicht alle Infos zum Thema müssen zwingend in Ihr Video. Überfrachten Sie Ihren Text daher nicht mit zu vielen Zahlen, Daten und Fakten! Beschränken Sie sich auf die wichtigsten Fakten und alles, was die Zuschauerin oder der Zuschauer zum Verständnis wissen muss und setzen Sie auf anschauliche Vergleiche.

4. Ein guter Text ist gut gegliedert

Ihre Zuschauerin oder Ihr Zuschauer will sich informieren oder unterhalten lassen. Machen Sie es ihm so einfach wie möglich: Nehmen Sie ihn mit Ihrem Text an die Hand und führen Sie ihn durch Ihr Thema.

5. Ein guter Text klingt gut

Knackige Sätze, griffige Formulierungen, anschauliche Beschreibungen – das sind die Zutaten für einen Text, den Ihr Zuschauer oder Ihre Zuschauerin auch gerne hört. Wenn Sie es nicht übertreiben, sind auch Wortspiele und sprachliche Stilmittel erlaubt.

6. Trauen Sie sich, umgangssprachlich zu formulieren

‚Erzählbare Texte‘ ist hier das Stichwort. Fragen Sie sich immer, was Sie eigentlich sagen wollen – und erzählen Sie alles einfach so, wie Sie auch mit Ihren Freunden sprechen würden, die keine Anwält*innen oder Steuerberater*innen sind. Komplizierte Schachtelsätze sind unnatürlich und das Publikum kann nur sehr schwer folgen. Am Anfang gehört vermutlich ein wenig Überwindung dazu, auf ausgearbeitete Sätze im eigenen Spezialgebiet zu verzichten. Mit ein wenig Übung schreiben Sie Ihre Texte aber bestenfalls bald so, wie Sie sie sprechen.

7. Wählen Sie eine Perspektive

Weben Sie einen roten Faden in Ihren Text. Jedes Thema hat zahlreiche Facetten: Überlegen Sie sich, wie viel Zeit Sie welcher Perspektive einräumen können. Meist reichen ein bis zwei spannende Aspekte.

8. Beziehen Sie Position

Neutralität – immer gerne! Aber Sie machen ja keine Nachrichten. Als Experte*in sind Sie bereits klar positioniert. Genau diese Positionierung brauchen wir auch in Ihren Texten für Ihre Videomoderationen. Klären Sie für sich, wie Sie zu dem Thema stehen und was Sie den Zuschauern vermitteln möchten.

Und nun: KAMERA AB?!

Das Wichtigste zum Thema Textinhalt im Video wissen Sie jetzt. Aber wie möchten Sie sich gerne vor der Kamera sehen? Ich als Moderatorin würde Sie gerne authentisch sehen – sprachlich und stimmlich!

Seien Sie authentisch – sprachlich

Für mich bedeutet authentisch zu sein, auch im Video wie ein Mensch „rüberzukommen“. Je natürlicher Ihre Performance ist, umso mehr können sich die Zuschauer mit dem Gesagten identifizieren. Zwei wichtige Tipps deswegen zur „sprachlichen Authentizität“:

  • Stellen Sie sich eine konkrete Person vor, der Sie erzählen, was Sie sagen wollen. Versuchen Sie niemals eine „Ansage“ für ein Publikum zu machen. Videos sind ein sehr persönliches Medium. Wir haben es hier mit einer Eins-zu-eins-Kommunikation zu tun: Zwei Menschen sprechen miteinander.
  • Schreiben Sie nach Möglichkeit keine Moderationstexte Wenn zwei Menschen sich unterhalten, lesen sie sich nichts vor. Nur bei sehr harten Themen und diffizilen Sachverhalten könnten Sie einen vorgefertigten Text ablesen.

Seien Sie authentisch – auch stimmlich

Die Stimme ist unser Instrument, das wir wirkungsvoll einsetzen können. Sie selbst werden durch das Beachten der Tipps zum Text auch schon stimmlich gut dastehen, weil sich Ihre textliche Vorbereitung auch sehr auf eine natürliche, angenehme Stimmführung auswirkt.

Lernen vom Profi ermöglicht perfekten Start

Zum Abschluss möchte ich gerne noch ein Plädoyer halten, was Sie doch gleich zu Beginn beim Videomarketing beherzigen sollten. Mein beruflicher Standpunkt und vor allem die schnellen Lern- und Erfolgserlebnisse zahlreicher angehender Moderatoren*innen oder gestandener Geschäftskunden*innen geben meiner Überzeugung Recht: Investieren Sie vor Drehbeginn ein paar Euro in ein Medientraining und lassen Sie sich einige Stunden coachen. Durch Profis bekommen Sie Starthilfe und können bereits im ersten Video souverän punkten, denn das Internet vergisst nichts.

Aber trauen Sie sich unbedingt an das Thema Video heran – seien Sie Experte*in und Mensch!

Eine Übersicht der Themen in unserer Artikelserie „Video“:

  1. Einsatzmöglichkeiten für Video in der Kanzlei: Konferenz, Image, Rechtstipps etc.
  2. Wie kommt man zu einem gezeichneten Kanzlei-Video?
  3. Warum ein Image-Video Sinn macht
  4. Wie man ein Image-Video für eine Kanzlei realisiert
  5. Tipps zum guten Sprechen vor der Kamera
  6. Technik: Kamera für Videokonferenzen – worauf sollte man achten?
  7. Styleguide für Videokonferenzen
  8. Angemessene Bildsprache im gezeichneten / animierten Video
Foto: Adobe Stock/©New Africa