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Unterhaltung. Sprechen, Stimme

Wie Sie die akustische Visitenkarte Ihrer Kanzlei gestalten

von Nicola Tiggeler

Haben Sie sich schon einmal überlegt, wie Sie sich anhören? Nein, ich meine nicht Sie persönlich. Ich meine: Als Kanzlei? Mein Ratgeber für die Stimmen, denen Ihre Mandanten gerne lauschen.

Gehen Sie doch einmal auf eine akustische „Mystery-Shopping-Tour“ in eigener Sache: Wie wird man in Ihrer Kanzlei empfangen? Wie hört es sich an, wenn man bei Ihnen anruft? Welcher Ton herrscht in Meetings? Wie nehmen Klienten Ihre Stimmen in Beratungsgesprächen wahr?

Die Stimme ist unsere wichtigste Visitenkarte

Der Klang der Stimme ist die Grundlage für eine sekundenschnelle Beurteilung einer Person und ihrer Eigenschaften. All das kann man hörend beurteilen: Kompetenz, Durchsetzungskraft, Willensstärke, Motivation und Selbstsicherheit. Die Stimme gibt denen, die uns zuhören, aber auch Aufschluss über unser Einfühlungsvermögen und unsere aktuelle Stimmungslage.

Das Ohr ist ein Stimmungsscanner

Damit können wir analysieren, mit wie viel Wissen und Selbstvertrauen unser Gegenüber den nächsten Schritt gehen wird. Auge und Ohr arbeiten im Team: Mimik, Gestik, Kleidung, Haltung und Stimme bestimmen den berühmten ersten Eindruck.

Umso wichtiger ist es, dass Sie das Instrument Stimme beherrschen!

Dass Sie es nutzen und aktiv einsetzen können, wenn Sie Mandanten beraten und informieren und als Anwalt z.B. vor Gericht überzeugen wollen.

Wenn Sie als Steuerberater oder Rechtsanwalt Themen präsentieren oder ein Plädoyer halten, dann passieren häufig diese Fehler:

  1. Sie sprechen zu leise oder undeutlich.
  2. Ihr Selbstbewusstsein ist kaum spürbar – Sie nehmen keinen hör- und sichtbaren Standpunkt ein.
  3. Ihre Stimme ist nicht vorbereitet auf das Sprechen vor einem Publikum.
  4. Ihre Stimme ist zu hoch.
  5. Ihr Sprechtempo ist zu schnell.

„Aber ich habe nur diese eine Stimme, ich kann mir keine neue kaufen“, sagen Sie vielleicht? Stimmt! Es geht auch nicht darum, sich zu verstellen oder mit einer anderen Stimme zu sprechen.

Es geht darum, die eigene Stimme genau kennenzulernen, sie schätzen, vielleicht sogar lieben zu lernen und mit ihr zu arbeiten.

Dadurch kann man eine Stimme verändern. Durch Stimmtraining, durch kontinuierliches Üben und eine Vorbereitung direkt vor einem Auftritt.

Legen Sie Wert auf Ihre Stimme!

Vielen fällt ihre Stimme erst dann auf, wenn sie nicht mehr funktioniert. Ich bin immer wieder überrascht, wie wenige Menschen ein Verhältnis zu ihrer eigenen Akustik haben, und wenn, dann ein eher negatives, gespanntes.

Denn die meisten Menschen investieren viel in ihr äußeres Erscheinungsbild oder in ihr Fachwissen – und vergessen dabei leider oft, dass zum „Gesamtpaket“ der Persönlichkeit auch die eigene „Akustik“ zählt. Dabei ist es wichtig, auf den eigenen Klang zu achten!

Erfreulicherweise hat sich die Erkenntnis, dass die Akustik und die körpersprachliche Präsenz ganz wesentliche Komponenten der Überzeugungskraft sind, inzwischen herumgesprochen. Man kann sein Erscheinungsbild ändern – und genauso seine Stimme! Ein stimmiges Auftreten führt zu mehr Gehör, Durchsetzungskraft, Präsenz, Wirkung und damit zu Erfolg!

Damit auch Sie beginnen können, auf Ihre Stimme und Ihre Akustik zu achten – hier meine sieben wichtigsten Tipps rund um Ihre Stimme:

  1. Richtige Körperhaltung. Eine aufrechte Haltung ist elementar für den Klang der Stimme.
  2. Beugen Sie Atemfehlern vor. Das Zauberwort heißt ausatmen, das hilft vor allem gut gegen Lampenfieber.
  3. Nutzen Sie Atemtechnik in Stresssituationen. Der Bauch braucht Freiheit für Atembewegungen. Üben Sie, wie Sie mit leicht geöffnetem Mund stets genug Luft zur Verfügung haben und wie Sie zu einem langen Atem kommen.
  4. Finden Sie Ihren „Brustton der Überzeugung“. Das ist der Ton, die Stimmlage, mit der Sie sich wohlfühlen. Wenn Sie diesen Ton benutzen, fühlen sich auch Ihre Zuhörer wohl und entspannt, sie hören Ihnen gerne zu.
  5. Machen Sie den Weg frei für Ihre Stimme. Trainieren Sie ein „lockeres Mundwerk“, lockern Sie Ihre Kiefermuskulatur, entspannen Sie Ihre Zunge.
  6. Setzen Sie Stimme und Emotionen effektiv ein. Emotionen sind beim Sprechen durchaus erlaubt, sonst droht Monotonie. Sprechen Sie einen Satz in vielen emotionalen Varianten und finden Sie heraus, wie effektiv die Stimme als Botschafterin der Gefühle arbeitet.
  7. Bauen Sie eine Beziehung zu ihrer Stimme auf. Lernen Sie Ihre Stimme nicht nur kennen, sondern auch lieben, damit sie Anklang durch Einklang finden können.

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