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Videomarketing

Videos sind aus dem Kanzleimarketing eigentlich nicht mehr wegzudenken. Aber Rechtsanwälte wie auch Steuerberater sind meist zurückhaltend, wenn es um den Einsatz von Videos im Marketing geht – nicht so bei Rechtsanwalt Tim Hendrik Walter, im Netz auch bekannt als „Herr Anwalt“. Bei Youtube, Instagram und seit neuestem auf TikTok findet man ihn im Bewegtbild. Grund genug, ihm ein paar Fragen zum Thema Video-Marketing zu stellen.

Pia Löffler: Herr Kollege Walter – warum nennen Sie sich in den sozialen Medien „Herr Anwalt“? Und nur im Netz oder würden Sie sich zutrauen, auch irgendwann als „Kanzlei Herr Anwalt“ aufzutreten?

Das ist tatsächlich das erste Mal, dass ich diese Frage gestellt bekomme. Der Name ist eigentlich aus einem Zufall heraus entstanden. Damals hatte ich noch ein relativ frisches Instagramprofil unter dem Pseudonym „German_Lawyer“. Eine junge Kollegin begrüßte mich zu dieser Zeit jedoch immer mit den Worten „Herr Anwalt“ am Telefon und so kam dann die Namensänderung zustande.

Der Vorschlag ist lustig, aber eine Umfirmierung der Kanzlei in „Kanzlei Herr Anwalt“ ist derzeit nicht beabsichtigt.

Pia Löffler: Wie sind Sie auf die Kamera gekommen und was ist Ihr Ziel? Ist es Videomarketing oder „nur aus Spaß“? Und wenn letzteres: Hat der Spaß dennoch Auswirkungen auf Ihre Mandate?

Dazu muss ich etwas ausholen.

Tatsächlich war ich schon immer ein sehr großer Freund des Webs und vor allem von sozialen Netzwerken. Ich bin als Kind mit dem Amiga 500 groß geworden und habe anschließend die gesamte Entwicklung des Webs über E-Mails, hin zu Chats, Gaming, IRC, ICQ, Foren und die Anfänge der sozialen Netzwerke durchgemacht. So bin ich dann relativ schnell bei YouTube und Facebook gelandet. Die Nähe zu den Netzwerken war also immer schon vorhanden. Der Impuls für den Bereich Fotografie und Film kam aber letztlich erst durch Instagram zustande. Dort habe ich gelernt, wie wichtig gutes Licht oder ein gutes Objektiv sind und habe mich in das Thema reingefuchst.

Ich habe mir dann in den Kopf gesetzt einen YouTube-Kanal zu erstellen und mir zu Lernzwecken monatelang Videos von „Bibis Beauty Palace“ und „Dagi Bee“ angesehen. Meine Lebensgefährtin kann es bestätigen: Ich kann tatsächlich behaupten, jedes einzelne Video von „Dagi Bee“ gesehen zu haben. Denn unabhängig davon, was man vom Content der beiden Damen hält, haben diese Damen eine unglaubliche Entwicklung in diesem Medium gemacht. Es steckt unheimlich viel Fleiß drin, auch wenn der Content leichthin als banal abgestempelt wird. Er ist und war eben sehr zielgruppenorientiert.

Die Frage nach meiner Motivation bekomme ich tatsächlich sehr oft gestellt. Ich darf gleich klarstellen: Es sind nicht die Mandate. Ich lehne derzeit auch schon einige Mandate aus Kapazitätsgründen ab und für eine Konvertierung müssten Sie erst eine ganz andere Infrastruktur schaffen und Personal einstellen. Der Kollege Solmecke hat gezeigt, wie es geht und das hervorragend gemeistert.

Meine Motivation ist es hingegen, mich kreativ zu betätigen und mich über diese Kreativprojekte auch persönlich weiterzuentwickeln. Daher entsteht auch jeder Beitrag ausschließlich unter meinen eigenen Händen. Ich bin mein eigener Ideengeber, Drehbuchschreiber, Tonassistent, Regisseur, Kameramann und Cutter. Und das soll auch so bleiben, da ich möglichst unabhängig von äußeren Einflüssen bleiben möchte. Wobei ich zugeben muss, dass gerade der Schnitt und die Postproduktion eine sehr zeitraubende Tätigkeit sind.

Des Weiteren liebe ich es, Menschen etwas beizubringen und freue mich darüber, mit meinem Hobby einen Mehrwert schaffen zu können. Es macht mich unheimlich stolz, mittlerweile so viel positive Rückmeldungen von Studierenden, Schülern aber auch Berufskollegen zu bekommen, dass es einer zusätzlichen Motivation kaum benötigt, um immer weiterzumachen und an meinem Projekt zu feilen.

Wenn dadurch nun ein entfernter Bekannter aus Schulzeiten überhaupt erst mitbekommt, dass ich Rechtsanwalt bin, oder ein Referendar mich aufgrund meiner Videos weiterempfiehlt, werde ich das Mandat natürlich nicht ablehnen. Sie werden bei mir aber keine Hotline in meinen „Herr Anwalt“-Profilen finden. Ich betrachte das „Herr Anwalt“-Projekt zwar als Teil meiner eigenen Anwaltsidentität, nicht aber zur Förderung der Mandantenakquise.

Fotos: Adobe Stock/©Microgen