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Videokonferenzen Kleidung

Eine sehr wichtige Veränderung für viele Rechtsanwälte*innen und Steuerberater*innen in der Coronakrise war, dass Videokonferenzen Präsenztermine ersetzten und Webinare Präsenz-Fortbildung. Was in solchen Online-Terminen immer wieder auffiel: Die Teilnehmer*innen von Videokonferenzen präsentierten sich sehr unterschiedlich gekleidet – teils angemessen businesslike, teils gefühlt „frisch aus dem Bett aufgestanden“.

Natürlich befanden wir uns vermutlich alle in der Zeit des härtesten Lockdowns im April im Homeoffice stilistisch in einer Art Ausnahmezustand. Einige allerdings nicht nur, wenn die Kamera im beruflichen Kontext aus war, sondern auch bei beruflichen Videokonferenzen. Ist das „cool“? Oder ist das nicht ganz angemessen? Denn klar ist, dass man auch im Business-Umfeld nicht in jeder Videokonferenz wie aus dem Ei gepellt daherkommen muss. In einigen Fällen war ich aber doch erstaunt ob der Schluffigkeit so manchen Outfits bei einer Videokonferenz. Und das an sich gute Bild von Kollegen*innen in meiner „Nur-Online-Wahrnehmung“ bröckelte teils doch gewaltig – teils ging es Kollegen*innen laut eigener Aussage genauso. Das teils gründlich aufgebaute Personal Branding, die „Personenmarke“ bekam Risse.

Stellte sich mir die Frage: Was „schickt sich“ in welchem Kontext? Wie légère darf es sein, was ist „too much information“ oder schlichtweg auch zu privat? Grund genug, diese Fragen mit einer Spezialistin für Stilfragen im Business-Kontext zu klären. Janine Katharina Pötsch, Stilberaterin aus München, stand mir deshalb Rede und Antwort zu genau diesen Fragen.

Frau Pötsch, herzlichen Dank, dass Sie sich Zeit nehmen, Fragen zum Thema „Homeoffice, Videokonferenz und Kleidungsstil“ zu beantworten.

Meine erste Frage deshalb direkt: Was ist im Hinblick auf Kleidungsstil und Homeoffice im geschäftlichen Kontext die eigentliche Herausforderung?

Homeoffice ist normaler Büroalltag, es geht also darum, arbeitsplatztauglich unterwegs zu sein. Auch wenn man sich zu Hause wohlfühlt und entspannt ist, ist es sinnvoll, die Zeit im Homeoffice nicht vollständig im Schlafanzug oder Jogginganzug zu verbringen. Es ist im Homeoffice durchaus sicher, sich in gewisser Weise „für das Büro“ zu kleiden – auch um in die richtige innere Haltung und in eine Art Arbeitsmodus zu kommen. Die äußere Erscheinung prägt hier durchaus auch die innere Einstellung zur Arbeit, die man dann wiederum z. B. in Videokonferenzen ausstrahlt.

Denn gerade in Corona-Zeiten mit deutlich mehr Homeoffice-Zeiten als zuvor, bedeutet arbeiten nicht nur allein im dunklen Kämmerchen Dinge am PC abarbeiten, E-Mails schreiben und telefonieren: Kundengespräche sind zu führen, Akquise am Telefon – „seit Corona“ verstärkt auch in Videokonferenzen via Skype, Zoom oder Microsoft Teams. Das bedeutet, dass man auf diesem Weg auch im Homeoffice sichtbar ist und dass sich unser Gegenüber so ein Bild von uns macht.

Insofern sollte man sich in auch dieser Situation durchaus Gedanken machen, wie man optisch auf sein Gegenüber wirkt. Das gilt für den Hintergrund, vor dem man präsentiert und vor allem dafür, wie man selbst aussieht – im Hinblick auf Frisur, Kleidung, Schmuck etc.

Warum ist ein stilsicherer Auftritt auch in einer Videokonferenz aus dem Homeoffice so wichtig?

Im realen Leben überlegen wir in der Regel vor allem im geschäftlichen Umfeld, wem wir uns wie präsentieren und legen darauf durchaus großen Wert – warum also nicht auch in der Kommunikation vor der Kamera.

Denn unangemessene Kleidung und/oder ein ungepflegtes Auftreten kann die Wahrnehmung der eigenen Person im geschäftlichen Umfeld nachhaltig beschädigen. Das gilt auch, wenn man sich nur über Video begegnet. Denn auch im Homeoffice ist man „im Business“ – und gepflegt auftreten kann und sollte man immer. Zumindest den Look am Oberkörper sollte man immer angemessen präsentieren. Denn unser Erscheinungsbild sagt in jeder Situation viel über uns, unsere Werte, unser Selbstbewusstsein und unsere Einstellung aus und ist auch Zeichen des Respekts vor dem Gegenüber. Ihr Outfit spiegelt immer Ihre Persönlichkeit, Ihren Wert, Ihre Einstellung zum Gegenüber und hat eine Botschaft – so oder so.

Welche Tipps würden Sie unseren Lesern*innen geben, um stilsicher und angemessen in Videokonferenzen aufzutreten?

  1. Ein gepflegtes Gesicht

Wichtig ist, mit einem gepflegten Gesicht ins Bild zu kommen. Augenring kann man ggfs. mit Make-up leicht kaschieren – auch die Herren. Frauen empfehle ich ein leichten Tages-Make-up, so wie sie es auch im Business-Alltag tragen würden.

  1. Haare & Bart

Egal ob Mann oder Frau: Die Frisur sollte sitzen – auch wenn man in Zeiten geschlossener Frisörgeschäfte während des Corona-Lockdowns natürlich ein Auge zudrücken konnte. Falls Mann Bart trägt, sollte auch der Bart gepflegt wirken.

  1. Kleidung

Man sollte sich in Videokonferenzen und Webinaren so kleiden, wie man sich im realen Umfeld zum gleichen Anlass kleiden würde – das kann also sehr unterschiedlich ausfallen.

Sakko bzw. Blazer sind je nach Gesprächssituation auch im Homeoffice-Video-Call durchaus angemessen. Hemd oder Bluse sind nicht zwangsläufig, können aber dem Anlass entsprechen (Videokonferenz mit Mandant etc.). Herren sind mit einfarbigen Hemden, T-Shirts oder Polo-Shirts ohne großen Aufdruck/Logo gut beraten. Auch Damen sind mit einfarbigen Oberteilen vor der Kamera gut gekleidet – ohne tiefen Ausschnitt und möglichst wenig durchsichtig, um die Aufmerksamkeit auf Gesicht und Inhalt zu lenken. Bei Herren und Damen sind helle, freundliche Farben, die zum jeweiligen Hauttyp/Haarfarbe passen, eine gute Wahl. Dunkle Töne wirken vor der Kamera oft sehr trist.

Farblich sollte man sich treu bleiben, aber an die Kamera-Situation denken: Grelle Farben lenken stark von der Person und den Gesprächsinhalten ab. Kleinteilige Muster können die Kameraoptik überfordern. Deswegen rate ich dazu, auf kleine Muster wie z. B. Pepita- und Fischgrat-Muster und auf schmale Streifen zu verzichten.

  1. Schmuck

Hier gilt „less is more“: Armbänder oder Uhren – auch bei Herren! –, lange Ketten oder große Ohrringe können auf dem Tisch, am Mikrofon oder am Kopfhörer laut klappern. Das kann die Konferenz massiv stören. Klein und dezent ist hier besser geeignet.

Eine Übersicht der Themen in unserer Artikelserie „Video“:

Foto: Adobe Stock/©Andrey Popov