LinkedIn wächst und auch Kanzleien sowie Anwältinnen und Anwälte interessieren sich zunehmend für das soziale Business Netzwerk. War LinkedIn in den vergangenen Jahren eher ein Karrierenetzwerk hat es mehr und mehr zu einer Plattform für Business-Entscheider entwickelt. Für Kanzleien eröffnet dieser Umstand enorme Chancen – sowohl in der Personalgewinnung als auch in der Begegnung mit potentiellen Mandanten und Mandantinnen. Wer LinkedIn strategisch nutzt, verschafft sich nicht nur Sichtbarkeit und besetzt Themen, sondern positioniert sich zugleich als attraktiver Arbeitgeber, der die Zeichen der Zeit akzeptiert und nutzt.
LinkedIn als Booster Ihrer Geschäftsentwicklung
LinkedIn bietet Anwältinnen und Anwälten eine Bühne für die geschäftliche Entwicklung. Die Mandantschaft erwartet heute nicht nur juristische Exzellenz, sondern auch Vertrauen in die handelnden Personen. Das gilt im analogen Leben, aber eben auch in der virtuellen Welt. Und genau hier liegt die Stärke von LinkedIn: Sie können Ihre Expertise sichtbar machen und gleichzeitig persönliche Nähe aufbauen.
Regelmäßig veröffentlichte Beiträge zu aktuellen Rechtsentwicklungen, praxisnahe Einschätzungen oder kurze Kommentare zu Branchenthemen positionieren Sie als Vordenker. Sie steuern so Narrative und besetzen Themen. Wer kontinuierlich hochwertigen Content teilt (also Content mit Nutzen), wird von Mandanten und Multiplikatoren als Experte bzw. Expertin wahrgenommen. Durch Likes, Kommentare und Weiterempfehlungen verbreiten sich so Ihre Inhalte weit über ihr eigenes Netzwerk hinaus.
Auch bei der Pflege bestehender Kontakte ist LinkedIn ein wirksames Instrument, denn man kann es wie ein Tool zur internen Kommunikation nutzen (was gerade in Großkanzleien echt hilfreich ist). Gratulationen zu Geburtstagen, kurze Nachrichten nach Veranstaltungen oder das Teilen relevanter Fachbeiträge halten Sie bei Mandantschaft sowie Kolleginnen und Kollegen präsent – ohne aufdringlich zu sein. Oft genügt eine kleine Geste, um im richtigen Moment wieder ins Bewusstsein zu rücken.
Ein zusätzlicher Vorteil sind die Analysefunktionen. Wenn Sie einen Bezahl-Account auf LinkedIn bespielen, können Sie genau nachvollziehen, welche Inhalte wie viele Personen erreicht haben, welche Zielgruppen reagieren und welche Formate besonders gut funktionieren. Sie gewinnen so wertvolle Einblicke für die Optimierung Ihrer Strategie.
LinkedIn als HR-Tool
Der Wettbewerb um herausragende und engagierte Juristinnen und Juristen ist intensiver denn je. Noch härter ist der Kampf um Rechtsanwaltsfachangestellte, Rechtsfachwirte und/oder Notarfachangestellte. Kanzleien, die im Recruiting ausschließlich auf Stellenanzeigen und persönliche Empfehlungen setzen, laufen Gefahr, wertvolle und zukunftsorientierte Talente zu verpassen. LinkedIn bietet Ihnen die Möglichkeit, Ihre Kanzlei aktiv als Arbeitgebermarke zu positionieren.
Ein professionelles Unternehmensprofil vermittelt Seriosität und Transparenz (und wirkt bei kleineren Einheiten ohne eigene BD- und Marketing-Abteilung besonders souverän). Zeigen Sie dort, wofür Ihre Kanzlei steht, wie Sie arbeiten und welche Werte Sie vertreten. Beleben Sie die Kanzleikultur durch Statements von Vertretern Ihrer Kanzlei (denn sie sind die Markenbotschafter Ihres Unternehmens!). Besonders wirksam ist es, wenn Mitarbeitende selbst Inhalte teilen oder Einblicke in den Arbeitsalltag geben. Diese Authentizität schafft Vertrauen bei potenziellen Bewerberinnen und Bewerbern.
Darüber hinaus erlaubt es Ihnen LinkedIn, Kandidatinnen und Kandidaten direkt anzusprechen – sogenanntes Active Sourcing. Anders als bei klassischen Ausschreibungen erreichen Sie so auch Personen, die zwar nicht aktiv auf Jobsuche sind, aber für spannende Angebote offen sind. Durch gezielte Suchfilter finden Sie Kandidaten nach Spezialisierung, Standort oder Erfahrungsgrad und können den Erstkontakt individuell gestalten.
Tipps für Kanzleien im Umgang mit LinkedIn
Damit LinkedIn für Sie zum echten Business-Booster wird, empfehle ich ein strukturiertes Vorgehen:
- Profil optimieren: Achten Sie auf ein vollständiges und aussagekräftiges Unternehmensprofil. Gleiches gilt natürlich auch für die persönlichen Profile der Partnerinnen, Partner und Associates. Ein professionelles Foto und ein klarer Slogan sind Pflicht und im besten Fall ein aussagekräftiges, identisches Banner.
- Content-Strategie entwickeln: Definieren Sie, welche Themen Sie besetzen wollen und wie häufig Sie Inhalte veröffentlichen. Planen Sie eine Mischung aus Fachbeiträgen, Kanzleinews und persönlichen Einblicken/Einschätzungen.
- Interaktion fördern: Reagieren Sie auf Kommentare, teilen Sie Beiträge anderer und beteiligen Sie sich aktiv an Diskussionen. So werden Sie sichtbar und zeigen Dialogbereitschaft. LinkedIn ist zwar ein Business-Netzwerk, aber trotzdem ein soziales Netzwerk, also zeigen Sie sich sozial.
- Mitarbeitende einbeziehen: Motivieren Sie Ihr Team, eigene Inhalte zu posten oder Kanzleibeiträge zu teilen. Dies vervielfacht Ihre Reichweite und wirkt authentisch.
- Ergebnisse messen: Schauen Sie regelmäßig auf die Statistiken, um zu prüfen, welche Formate und Botschaften funktionieren. Bauen Sie erfolgreiche Ansätze aus und justieren Sie bei Bedarf nach.
Mein Fazit
LinkedIn ist für Kanzleien weit mehr als ein digitales Adressbuch. Richtig eingesetzt, vereint die Plattform zwei entscheidende Hebel: Sie steigern Ihre Attraktivität im Wettbewerb um Talente und gewinnen zugleich neue Mandate. Entscheidend ist dabei ein langfristiges, konsistentes Vorgehen. Wer LinkedIn nicht als impulsgetriebene Maßnahme, sondern als festen Bestandteil der Kanzleistrategie begreift, schafft die Grundlage für nachhaltigen Erfolg.
Foto: Adobe Stock/©Chinnapong




