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Kanzlei-Website, Google My Business

Google ist im Internet eine Institution, um die man nicht herum kommt. Will man im Internet Mandanten akquirieren, ist es nahezu unumgänglich, sich bei der Gestaltung einer Kanzleiwebsite auch an den Anforderungen von Google zu orientieren und damit Suchmaschinenoptimierung (SEO) zu betreiben.

Verfügt eine Steuerberater- oder Anwaltskanzlei außerdem über ein Google My Business -Profil (GMB), fördert das im Internet außerdem die Sichtbarkeit „vor Ort“ (lokale Suchmaschinenoptimierung). Nun gibt es außerdem die Möglichkeit, über GMB eine Website zu erstellen. Aber macht das wirklich Sinn? Und wenn ja, für wen?

Google My Business: Zur Kanzleiwebsite in wenigen Klicks

Vor einigen Wochen hat Google einen neuen Service online gestellt: Seit Mitte Juni kann man mit dem eigenen GMB-Account tatsächlich eine Website erstellen. Google My Business (GMB) erfindet hier aber das Rad nicht neu: Google stellt seinen Account-Inhabern nun ein eigenes, sehr reduziertes Baukasten-System für Mini-Websites zur Verfügung.

Die Gestaltungsmöglichkeiten sind sehr beschränkt, stärker als bei anderen Baukasten-Systemen. Aber immerhin: Mit wenigen Klicks, kann man ohne Programmierkenntnisse eine kleine Website ohne Unterseiten erstellen.

Wie erstellt man eine GMB-Website?

Zunächst müssen Sie sich einen GMB-Account erstellen, der aber ohnehin für Ihre Online-Sichtbarkeit kein Nachteil ist! Ein solches Profil ist relativ schnell angelegt. Entweder existiert bereits ein Profil Ihrer Kanzlei, das von Google automatisch angelegt wurde – das können Sie als Inhaber beanspruchen und dann selbst steuern – oder Sie legen ein Profil unter diesem Link an: www.google.de/business.

Im Login-Bereich des Profils finden Sie nun auf der linken Seite den Link „Website“. Klicken Sie auf diesen Link, erstellt GMB aus vorhanden Profildaten und -bildern einen Rohentwurf, den Sie dann anpassen können. Es gibt Designvorlagen mit unterschiedlichen Farbschemata und Schriftarten, aus denen Sie wählen können. Einige Vorlagen sind für Kanzleien – vor allem hinsichtlich der Schriftart – nicht wirklich angemessen, aber es lassen sich unter den gut zehn Designs Vorlagen finden, die vollkommen in Ordnung sind. Mit einem großflächigen Hintergrundbild können Sie außerdem den optischen Eindruck der Seite gut beeinflussen und in die richtige Richtung lenken. Der Google-Baukasten orientiert sich nämlich an einem aktuellen Website-Trend: Ein großes Bild bestimmt im oberen Bereich der Seite den optischen Eindruck.

Wie auf jeder anderen Website auch, können Sie in diese Website eigene Texte und Bilder einfügen, auch wenn die Bilder nicht auf der Seite verteilt werden können, sondern nur im unteren Bereich der Website als Bildsammlung angezeigt werden.

Es geht schnell und kostet nichts, aber…

Ich habe selbst nicht damit gerechnet, aber innerhalb von fünf Minuten kann man mit GMB eine eigene kleine Website erstellen, sofern man bereits Texte vorbereitet hat. Die Vorteile, die eine solche Website hat, liegen auf der Hand: Diese Mini-Website kostet nichts, ist in ein paar Minuten erstellt, man muss keinerlei Programmierkenntnisse haben und kommt sehr schnell zu einem Ergebnis. Wem es nur darum geht, innerhalb kürzester Zeit „irgendeine“ Website zu bekommen, der hat mit der Website von GMB eine schnelle und kostengünstige Lösung gefunden, bei der man letztlich sogar eine eigene „Domain“ festlegen kann, die dann z. B. www.anwaltsmarketing.business.site heißt. Eine solche Adresse liest sich auch gut auf der gedruckten Visitenkarte.

Aber dieser Baukasten ist – deutlich mehr als andere Baukastenlösungen wie z. B. von Jimdo, Wix, 1&1 oder Strato – sehr weit entfernt von Individualität! So ist es nicht möglich, Ihr Corporate Design oder auch nur Ihre Kanzleifarbe auf dieser Website abzubilden.

Sinn oder Unsinn?

Eine Kanzleiwebsite ist Dreh- und Angelpunkt für Ihr gesamtes Kanzleimarketing bzw. der gesamten Kanzleikommunikation, online wie offline. Deshalb ist diese Art der Website mit Vorsicht zu genießen. Gerade weil die Website zentrales Element des Kanzleimarketings ist, sollte man als Rechtsanwalt, Steuerberater oder Patentanwalt größten Wert darauf legen, dass die Website individuell gestaltet ist und etwas über Sie und Ihre Kanzlei aussagt.

Vollkommen nutzlos ist die GMB-Website aber dennoch nicht: Eine solche Website kann z. B. Sinn für Existenzgründer machen, die übergangsweise etwas „im Netz“ haben wollen. Außerdem macht eine solche Online-Präsenz eventuell für Rechtsanwälte und Steuerberater Sinn, die ihre Kanzlei nur nebenbei betreiben und nicht auf einen professionellen Internetauftritt angewiesen sind. Wer allerdings über das Internet Mandanten akquirieren will oder über die Website von sich überzeugen will, der sollte von der GMB-Website besser Abstand nehmen.

Entweder nutzt man für eine Kanzleiwebsite kostenpflichtige Baukasten-Systeme, oder man lässt sich eine individuelle Website erstellen, z. B. auf WordPress-, Joomla oder Typo3-Basis. Das kostet zwar im Zweifel etwas, aber setzen Sie diese Kosten einmal in Relation zur Monatsmiete Ihrer Kanzleiräume. Ihre Website sehen im Zweifel mehr Menschen, als Ihren Besprechungsraum!

Foto: Fotolia/georgejmclittle