Charisma Anwalt

Erfolgsformel Charisma Teil 2:
Ein Interview mit Christiane Deters

Wir alle erleben charismatische Menschen mit mehr oder weniger bewusster Bewunderung. Nicht selten ertappt man sich dann bei dem Gedanken: „Ach, wie gerne wäre ich auch so. Dann würde vielleicht privat und im Beruf einiges besser laufen.“ Stellt sich aber die Frage: Kann man Charisma lernen? Dazu haben wir mit der Autorin Christiane Deters ein Interview geführt.

In Teil II verrät sie uns nun, welche Charisma-Faktoren sie ihrer Einschätzung nach als wertschöpfend für den Anwaltsberuf betrachtet – speziell mit dem Augenmerk darauf gerichtet, Mandantin und Mandaten zu gewinnen und nachhaltig zu binden.

Frau Deters, über welchen Charisma-Faktor aus Ihrem Buch möchten Sie heute mit uns sprechen?

Von den 5 ¾ Charisma-Faktoren habe ich heute einen Faktor herausgegriffen, der mir selbst sehr am Herzen liegt. Denn er stellt gerade neben der fachlichen Expertise die Grundlage für eine erfolgreiche Beratung dar. Es geht um den dritten Charisma-Faktor, die Beziehungsintelligenz.

Beziehungsintelligenz zeigt sich vor allen Dingen im privaten und beruflichen Umgang mit Menschen. Auch Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälte arbeiten nicht in einem „luftleeren Raum“. Vielmehr haben wir es tagtäglich mit Kollegen bzw. Kolleginnen, Mitarbeitenden, mit ratsuchenden Mandanten und Mandantinnen zu tun. Wie erfolgreich wir auf dem einen oder anderen Parkett sind, hängt auch jeweils von der Qualität der Beziehung zu unserem jeweiligen Gegenüber ab.

Woran lässt sich denn Beziehungsintelligenz gerade im Umgang mit unserer Mandantschaft erkennen?

Sie wird im Grunde bereits im Rahmen des Erstgesprächs durch unsere Haltung sichtbar, spürbar und damit erlebbar. Nämlich immer dann, wenn wir durch unsere Haltung zum Ausdruck bringen, dass wir unserem Mandanten oder unserer Mandantin auf Augenhöhe und nicht von oben herab begegnen. Wenn wir die jeweiligen Anliegen und Bedürfnisse wirklich ernst nehmen und sie nicht bagatellisieren. Wenn für uns klar ist, dass uns „kein juristischer Sachverhalt auf zwei Beinen gegenübertritt, sondern ein Mensch.“ Ein Mensch, der nicht nur unseren Expertenrat sucht, sondern vielmehr verstanden werden will, um uns vertrauen zu können.

Woran lässt sich eine solche Haltung im Kanzleialltag erkennen?

Eine solche Haltung spiegelt sich in einer achtsamen, auf Respekt basierten Kommunikation wider, die auf Zuhören, Empathie und Menschlichkeit setzt.

Zuhören. Zuhören, als Ausdruck von Beziehungsintelligenz, bildet hier zunächst einen guten Anfang. Mein persönlicher Eindruck ist, dass unsere Fähigkeit, zuzuhören, generell etwas aus der Mode gekommen ist. Zumindest kommt sie unter den permanenten Ablenkungen des digitalen Lebens zu kurz oder sie leidet unter der Schnelllebigkeit dieser Welt, die uns häufig unter enormen Zeitdruck setzt. Das ist im Anwaltsberuf nicht anders. Dennoch ist Zuhören gut investierte Zeit.

Also warum erteilen wir unserem Gegenüber nicht zunächst das Wort, schenken ihm Redezeit und unsere ungeteilte Aufmerksamkeit Lassen ihn ausreden und unterbrechen ihn nicht. Lassen ihn reden und hören „einfach“ nur zu, ohne zu bewerten und ohne zu interpretieren. Dabei unterstreichen wir unsere hundertprozentige Präsenz gleichzeitig mit kongruenter Körpersprache, halten Blickkontakt und nehmen zudem eine zugewandte Körperhaltung ein. Ab und zu geben wir Laute, wie „Mhm“ und „Aha“ von uns, um unsere Zustimmung, unser Interesse und unser Verständnis zu signalisieren. That´s it!

Empathie. Ich glaube einräumen zu dürfen, dass Empathie grundsätzlich nicht zu den vorrangigen Kernkompetenzen von Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälten gehört. Ausnahmen bestätigen selbstverständlich die Regel. Dennoch: Gerade im Kontakt zu unserer Mandantschaft zahlt es sich aus, wenn wir in der Lage sind, uns in die Schuhe unseres Gegenübers zu stellen. Den Sachverhalt aus dessen Augen betrachten, das Anliegen in den Vordergrund stellen und verstehen, was der Mandant oder die Mandantin wirklich will. Dieser Perspektivwechsel, als Ausdruck der kognitiven Empathie, ist in der Regel erhellend, sorgt für Vertrauen und schützt vor unliebsamen Überraschungen.

Wie zum Beispiel: „Sagt der Angeklagte zum Rechtsanwalt: „Wenn ich mit einem halben Jahr davonkomme, bin ich zufrieden.“ Nach dem Prozess meint der Anwalt: „Das war ein hartes Stück Arbeit, die wollten Sie doch glatt freisprechen.“

Menschlichkeit. Ich kenne viele Kolleginnen und Kollegen, die sich für mehr Menschlichkeit in der Juristerei aussprechen. Dabei geht es nicht darum, dass wir uns alle in den Armen liegen. Vielmehr geht es darum, dass wir nicht nur anderen, sondern auch uns selbst menschlich begegnen. Dass wir uns zu unseren menschlichen Seiten bekennen. Dass wir den Menschen, für die wir uns verantwortlich zeichnen, mehr Raum und mehr Bedeutung geben.

Und uns schlussendlich immer daran erinnern, dass bei all der fachlichen Brillanz, bei all den zu verzeichnenden Erfolgen, bei all dem Applaus, es immer der Mensch ist, der zählt, der hinter all dem steht!


Lesen Sie in Teil I des Interviews, wie die Autorin zum Thema Charisma kam, was man von charismatischen Persönlichkeiten als Role Models lernen kann – und dass jeder ein charismatisches Potenzial hat, das man entdecken und nutzen kann.


Christiane Deters’ erstes Buch „It’s all about CHARISMA“ ist Ende 2020 erschienen.

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Foto: metropolitan/WALHALLA Verlagsgruppe