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Haus

Bildsprache: Auch ein Haus ist Marketing

von Pia Löffler

Es ist ein Phänomen im Marketing von Steuerberatern und Rechtsanwälten: Fotos von Häusern, in denen sich die Kanzlei befindet, werden auf der Startseite der Website präsentiert. Auch auf Broschüren und nahezu bei jeder anderen Gelegenheit zeigt man gerne Haus.

Wie sagte neulich ein Kanzleimanager zu mir: Ein Haus ist auch Marketing. Und er hat Recht. Aber nicht jedes Haus ist Marketing, zumindest kein gutes. In welchem Fall das Haus, in dem sich Ihre Kanzlei befindet, gutes Marketing ist – darum geht es in diesem Beitrag.

Bilder von Häusern an sich

Bilder von Häusern sagen nichts über Ihre Beraterpersönlichkeit aus. Sie sagen auch nichts darüber aus, was Sie als Berater anbieten. Wer statt Bildern von Menschen oder Gegenständen mit Bezug zu Ihrem Beratungsbereich auf Bilder des Kanzleigebäudes setzt, vergibt eine Chance: dem Betrachter in Sekundenbruchteilen zu vermitteln, ob Sie die richtige Beraterpersönlichkeit für ihn sind und ob er inhaltlich bei Ihnen „richtig“ ist. Denn Bilder von Häusern zeigen nur Mauern in einer bestimmten Umgebung.

Natürlich ist aber auch das eine Aussage. Im besten Fall zeigen solche Bilder, „was man sich als Kanzlei leisten“ kann. Der Glanz der Fassade wird zum Glanz der Kanzlei. Wer sich eine gute Adresse und ein schönes Büro leistet, verdient offenbar gut, ist erfolgreich. Wer gut verdient, scheint gut zu arbeiten. Das ist klar und meist richtig und vermittelt so unter dem Strich einen „guten Eindruck“.

Wie man Bilder von Häusern einsetzt

Wer eine gute Kanzleiadresse auf dem Ku‘damm, in München-Bogenhausen oder in Düsseldorf im Medienhafen hat und kommunizieren will, dass er sich an zahlungskräftige Mandanten richtet: Arbeiten Sie mit Bildern Ihrer guten Adresse und dem guten Umfeld, der schönen Aussicht und den schicken Innenräumen. Haben Sie eine gute Adresse und schöne Innenräume aber eine durchschnittliche Fassade: Werben Sie besser nur mit Innenraumaufnahmen und eventuell mit einem Foto vom ansehnlichen Adressschild.

Eine geschickte Lösung, Personen zu zeigen und das räumliche Umfeld der Kanzlei zu kommunizieren, ist, Personen im Kanzleikontext abzulichten. Das funktioniert z. B. vor dem Gebäude, im Eingangsbereich oder mit dem Ausblick aus der Kanzlei. So erkennt der Nutzer in welchem Umfeld die Kanzlei ist, ohne dass man alles zu eindeutig zeigt.

Wer nicht mit Bildern von „Haus und Hof“ ein hohes Preisniveau kommunizieren will, sollte auf eine andere Bildsprache setzen. Denn eine „teure“ Adresse kann durchaus zur Wahrnehmung führen: „So wie das bei denen aussieht, kann ich mir diese Kanzlei nicht leisten.“ Will man dies mit seinen Bildern nicht erreichen: Vorsicht mit Bildern von tollen Altbauten, wertiger Kunst und teuren Designmöbeln! Setzen Sie lieber auf Bilder von Personen, oder stellen Sie in Fotos einen Bezug zu Ihren Beratungsgebieten her.

Letztlich kann das Kanzleigebäude natürlich auch kommunizieren: Wir sind nicht groß, wir sind nicht protzig, wir sind Anwälte für normale Leute. Ein schönes und erfolgreiches Beispiel aus dem Raum Siegen macht das hervorragend vor. Diese Kanzlei hat als Zielgruppe Lieschen Müller von nebenan mit ihren alltäglichen Rechtsproblemen – angefangen beim Strafzettel über die falsche Betriebskostenabrechnung bis hin zur Abmahnung im Arbeitsrecht.

Lieschen Müller will keine Altbaufassade und Echtholzparkett mit Original-Gründerzeit-Stuckdecke sehen. Sie will nicht sehen, dass ihr sauer verdientes Geld den „Prunk“ der Kanzlei finanziert. Deswegen ist es absolut folgerichtig, dass diese Kanzlei in Kanzleivideos den Hauptsitz zeigt: ein kleines Einfamilienhaus in einer Siedlung aus den 50er-Jahren – ein umgebautes Privathaus. Und die Botschaft kommt an: Wir sind wie ihr. Auch eine Marketingbotschaft, die richtig einschlagen kann.

Zeig mir Deine Kanzlei

Wo Ihre Kanzlei liegt und wie Ihre Kanzlei aussieht, ist eine Marketingaussage. Dessen muss man sich bewusst sein, wenn man Bilder der Kanzlei im Marketing einsetzen will. Wenn Ihnen die ganz konkrete Aussage der Bilder von Ihren Kanzleiräumen klar ist, ist es überhaupt kein Problem Bilder von Gebäuden einzusetzen.

Es kann aber auch richtig sein, Räume nicht zu zeigen, um zu vermeiden, ein hohes Preisniveau zu kommunizieren, das nicht existiert. Oder weil der optische Eindruck einer Kanzlei negativen Einfluss auf die Wahrnehmung der Beratungsleistung hat. Es gibt schlichtweg Kanzleien, die ihre Räume nicht zeigen sollten. Denn Akten-Chaos, vertrocknete Pflanzen und in die Jahre gekommene Möbel können einen vollkommen falschen Eindruck von der Qualität Ihrer Beratung vermitteln. In einem solchen Fall sind Sie mit guten Porträts viel besser abgebildet – im wahrsten Wortsinne. Und das ist keine Wertung!

Zeigen Sie also Ihre Kanzlei – im richtigen Licht und im richtigen Kontext.

Foto: Fotolia/js-photo

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